Weimarer Klassik im Überblick

  • Die literarische Epoche der Weimarer Klassik dauerte etwa von 1786 bis 1805 und hatte die Stadt Weimar als Zentrum.

  • Zu den wichtigsten Vertretern der Literatur in der Klassik zählen Goethe, Schiller, Wieland und Herder.

  • Die Werke der Weimarer Klassik orientierten sich einerseits an den Idealen der Aufklärung und des Humanismus und andererseits an der Empfindsamkeit des Sturm und Drang.

  • Das Ziel der Weimarer Klassik bestand in der ästhetischen Erziehung des Menschen.

Die Literaturepoche der Weimarer Klassik – historischer Hintergrund

Das Wort Klassik leitet sich vom Lateinischen classicus ab, was so viel wie „erstrangig“ bedeutet. Damit wurden ursprünglich Leute des gehobenen Standes bezeichnet, die in die erste Steuerklasse gerechnet wurden. 

Heute sprechen wir von deutscher Klassik, wenn wir die Literaturepoche von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller meinen. Jedoch werden die Nomen Klassik oder Klassiker sowie das Adjektiv klassisch auch für alles verwendet, was zeitlos gültig und von überragender Qualität ist. Außerdem wird der Begriff Klassik häufig auch für die Kunst und Kultur der griechisch-römischen Antike gebraucht.

In diesem Text geht es um die Literaturepoche der Klassik, die maßgeblich durch das Leben und Wirken von Goethe und Schiller geprägt wurde. Sie waren es auch, die den Begriff Weimarer Klassik durch ihren Austausch und ihr gemeinsames Schaffen in der Stadt Weimar ins Leben riefen.

Weimarer Klassik

Quelle sofatutor.com

Aufgrund dieser lokalen Verortung grenzt sich die Weimarer Klassik auch von anderen Epochenbezeichnungen wie beispielsweise der Wiener Klassik ab, in der Wien das Zentrum für das musikalische Schaffen vieler Musikerinnen und Musiker sowie Komponistinnen und Komponisten war.

Der Zeitraum der Weimarer Klassik lässt sich in etwa auf die Jahre 1786 bis 1805 datieren. Als Beginn wird Goethes Italienreise ab 1786 festgelegt. Das Ende wird häufig in Schillers Tod im Jahr 1805 gesehen. Hier kannst du den Zeitraum der Weimarer Klassik im Verhältnis zu anderen Epochen sehen:

Merkmale einer Sage

Sowohl Goethe als auch Schiller waren repräsentative Vertreter des Sturm und Drang und damit einer leidenschaftlichen literarischen Epoche, die das Gefühl in den Mittelpunkt rückte. Im Jahr 1786 und 1788 kam es jedoch zu zwei Ereignissen, die die Kunstauffassung der beiden namhaften Autoren änderte:

  • 1786: Goethe ging auf Bildungsreise nach Italien. Während dieser Reise lernte er die klassische Antike kennen und nahm sie sich zum Vorbild.
  • 1788: Schiller wurde Professor an der Universität in Jena. Er beschäftigte sich mit den Schriften von Immanuel Kant und dessen aufklärerischen und humanistischen Ideen.

Somit wurden die Antike und die Aufklärung sowie der Humanismus zu den Idealen der Weimarer Klassik

Menschenbild und Motive der Weimarer Klassik

Auch das Menschenbild der Weimarer Klassik orientierte sich an den genannten Idealen der Antike und der Aufklärung. In seiner Ode Das Göttliche (1785) formulierte Goethe den berühmt gewordenen Satz: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ Der Mensch wird als sittliches und moralisches Wesen definiert. 

Goethe und Schiller entwarfen gemeinsam ein Programm der ästhetischen Erziehung, in dem der Mensch über die Erziehung zu einem „ästhetischen Zustand“ gelangen können sollte, was dem antiken Kunstideal der schönen Seele entsprach. Im Umgang mit Kunst und Literatur sollte der Mensch zur Humanität erzogen werden, was heute als Humanitätsideal der Klassik bezeichnet wird. 

Auf diese Weise sollte auch der Konflikt zwischen Vernunft (Ideal der Aufklärung) und Gefühl (Ideal des Sturm und Drang) gelöst werden. Toleranz, Gewissens- und Gewaltfreiheit galten als wichtige humanistische Prinzipien, die das Leben des Menschen verbessern sollten.

Aufklärung Sturm und Drang Weimarer Klassik
Verstand/Vernunft Empfindsamkeit/Gefühl harmonisches Gleichgewicht zwischen Verstand und Gefühl

Die Merkmale der Weimarer Klassik

Die folgende Übersicht enthält wichtige Epochenmerkmale der Weimarer Klassik, die du auch für ein Referat über die Weimarer Klassik verwenden kannst:

  • Dauer: ca. 1786–1805
  • Von zahlreichen politischen Umbrüchen (u. a. Französische Revolution) geprägt
  • Einheit von Natur und Welt
  • Orientierung an der griechisch-römischen Antike
  • Zeitlos gültige Schönheit und Harmonie in der antiken Kunst → Vorbildcharakter
  • Streben nach Perfektion (Kunstideal der schönen Seele)
  • Es gilt: das Schöne = das Wahre.
  • Gleichgewicht zwischen Verstand und Gefühl
  • Humanistisches Gedankengut und ästhetische Erziehung
  • Literatur soll die Ideale vermitteln und den Menschen erziehen.
  • Hauptgattungen: Bildungsroman, Drama (v. a. Tragödien) und lyrische Balladen
  • Orientierung an der klassischen Dramentheorie von Aristoteles (Einheit von Ort, Zeit und Handlung)
  • Regeln und festes Versmaß in der Lyrik
  • Wenig epische Texte, da diese nicht so regelhaft waren
  • Hauptvertreter: Schiller, Goethe, Herder und Wieland

Weimarer Klassik – Autoren und Werke

Die folgende Abbildung zeigt die vier Hauptvertreter der Weimarer Klassik, die manchmal auch als Viergestirn der Weimarer Klassik bezeichnet werden:

Weimarer Klassik

Alle drei Hauptgattungen (Epik, Dramatik und Lyrik) waren in der Klassik mit eigenen Textformen vertreten.

Epik Dramatik Lyrik
Bildungsroman Tragödie mit Katharsis-Effekt Balladen, Sonette, Hymnen und Oden
Recht auf allseitige Bildung Katharsis = psychische
Reinigung durch Miterleben
Einheit von Inhalt und Form wird angestrebt.
– Johann Wolfgang von Goethe,
Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795) und
Die Wahlverwandtschaften (1809)
– Johann Wolfgang von
Goethe, Faust (1808)
– Friedrich Schiller,
Maria Stuart (1800) und
Wilhelm Tell (1804)
– Johann Wolfgang von Goethe,
Der Zauberlehrling (1797) und
Die Braut von Korinth (1797)
– Friedrich Schiller,
Der Handschuh (1797) und
Die Bürgschaft (1798)

Häufig gestellte Fragen zum Thema Weimarer Klassik

Typisch für die Weimarer Klassik ist die Orientierung an der Antike und den humanistischen Prinzipien der Aufklärung.

Weimar wurde durch das Schaffen bedeutender Autoren, wie Goethe und Schiller, zum Zentrum des literarischen Austauschs. Man verständigte sich in der damaligen Literaturszene auf ein harmonisches Gleichgewicht von Verstand und Gefühl, was das Menschenbild jener Zeit prägte.

Das Humanitätsideal der Klassik besagt, dass der Mensch durch den Umgang mit der Literatur zur Humanität (Menschlichkeit) erzogen wird. Toleranz, Gewissens- und Gewaltfreiheit sollen das Leben der Menschen bestimmen.

Friedrich Schiller lebte von 1759 bis 1805. Sein Tod markiert in vielen Darstellungen das Ende der sogenannten Weimarer Klassik, da er zusammen mit Johann Wolfgang von Goethe in Weimar literarisch aktiv war.

Johann Wolfgang von Goethe hat viele literarische Werke geschrieben, darunter beispielsweise den Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795), das Drama Faust (1808) und viele Balladen wie Der Zauberlehrling (1797).

Weimar ist das Zentrum der Klassik, weil dort viele bedeutende Schriftsteller wie Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried von Herder gelebt und geschrieben haben.

Das vorrangige Ziel war es, die Menschen durch die Literatur zum Guten zu erziehen.