Das Vier-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun einfach erklärt

Erfahre, wie das Vier-Ohren-Modell die vier Kommunikationsebenen – Sache, Selbstkundgabe, Beziehung, Appell – erklärt. Verstehe, warum jede Nachricht mehr als nur Worte enthält und wie du Kommunikation besser interpretieren kannst. Mehr dazu im folgenden Text!

Inhaltsverzeichnis zum Thema Vier-Ohren-Modell

Das Vier-Ohren-Modell im Überblick

  • Das Vier-Ohren-Modell stammt von dem Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun (geb. 1944 in Soltau).
  • Es wird häufig auch Vier-Seiten-Modell, Kommunikationsviereck bzw. Kommunikationsquadrat oder Vier-Schnabel-Modell genannt.
  • Das Modell von Schulz von Thun beschreibt die vier Ebenen der Kommunikation:
  • die Sachebene, die Appellebene, die Beziehungsebene und die Ebene der Selbstkundgabe. Zu diesen vier Seiten des Modells lassen sich Beispiele und Definitionen formulieren.
4 Ohren Modell: Lernvideo

Quelle sofatutor.com

Das Vier-Ohren-Modell – Erklärung

Das sogenannte Vier-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun stammt aus der Kommunikationswissenschaft und ist ein bekanntes Modell zur Beschreibung verschiedener Kommunikationssituationen und -absichten.

Schulz von Thun geht davon aus, dass sich jede Nachricht aus vier Seiten zusammensetzt:

  • der Sachinhalt auf der Sachebene,
  • die Selbstoffenbarung auf der Ebene der Selbstkundgabe,
  • ein Appell auf der Appellebene und 
  • Informationen über die Beziehung(en) der Personen untereinander auf der Beziehungsseite.

Wenn Personen miteinander sprechen, sind diese vier Ebenen der Kommunikation immer aktiv, ob bewusst oder unbewusst. Sie geben zusätzliche Informationen über die Gesprächssituation sowie über die Sprecherinnen und Sprecher selbst.

Um das Modell besser visualisieren und erklären zu können, benutzt Schulz von Thun ein Kommunikationsquadrat, das die erwähnten vier Seiten einer Nachricht zwischen Senderin bzw. Sender und Empfängerin bzw. Empfänger abbildet.

Vier Ohren Modell

Die Erklärung zu diesem Kommunikationsquadrat lautet: Die Senderin bzw. der Sender spricht oder schreibt eine Nachricht. Diese vermittelt der Empfängerin bzw. dem Empfänger vier verschiedene Botschaften auf der Sach-, Appell- und Beziehungsebene sowie auf der Ebene der Selbstkundgabe. Die Senderin bzw. der Sender spricht also mit vier Mündern bzw. vier Schnäbeln, weswegen das Konzept mitunter auch Vier-Schnabel-Modell genannt wird. Auch das Verständnis der Nachricht hängt von diesen vier verschiedenen Seiten ab. So hört die Empfängerin bzw. der Empfänger die Nachricht mit vier unterschiedlichen Ohren. Dies kann bewusst oder unbewusst geschehen.

Im Folgenden werden einige Beispiele besprochen, um das Kommunikationsquadrat und die vier Seiten einer Nachricht noch besser einordnen zu können.

Das Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun – die vier Ebenen und Beispiele

In den weiteren Abschnitten werden die vier Seiten einer Nachricht jeweils anhand von Beispielen kurz vorgestellt.

Die Sachebene – Definition und Beispiele

Auf der Sachebene werden Sachinformationen, wie zum Beispiel Daten oder Fakten, mitgeteilt. Diese Informationen müssen aber nicht zwingend wahr sein.

Die Empfängerin oder der Empfänger bewertet den informativen Gehalt der Aussage nach den folgenden drei Kriterien:

  • Ist die Aussage wahr oder falsch?
  • Ist die Aussage relevant oder unwichtig?
  • Reichen die Informationen aus oder fehlt etwas?

Je nachdem wie die Empfängerin oder der Empfänger die Nachricht beurteilt, reagiert sie oder er darauf.

Jenny schreibt ihrem Lehrer eine E-Mail, in der sie sich folgendermaßen für ihr Fehlen entschuldigt:

„Ich kann heute leider nicht zum Unterricht kommen, da ich Bauchschmerzen habe.“
→ Auf der Sachebene teilt die Schülerin Jenny ihrem Lehrer mit, dass sie nicht zum Unterricht kommen kann.

Die Selbstkundgabe – Definition und Beispiele

Unter Selbstkundgabe oder Selbstoffenbarung versteht Schulz von Thun alle Botschaften, die etwas über die Empfängerin bzw. den Empfänger aussagen. Das können spezielle Bedürfnisse, Eigenarten, Moralvorstellungen, Emotionen oder Absichten der Person sein. Auch soziokulturelle Hintergründe, wie die ethnische Herkunft oder religiöse Ansichten, zählen zur Selbstkundgabe.

Wenn diese bewusst geäußert werden, spricht man von Selbstdarstellung, unbewusste selbstoffenbarende Äußerungen hingegen werden als Selbstenthüllung bezeichnet. 

Bei der bewussten Selbstdarstellung werden häufig Ich-Botschaften verwendet, z. B. „Ich bin müde.“. Schwieriger zu verstehen sind dagegen die impliziten selbstoffenbarenden Botschaften, die sich nur dann erkennen lassen, wenn man zwischen den Zeilen liest.

Betrachten wir noch einmal das Beispiel von Jenny und ihrem Lehrer: 

„Ich kann heute leider nicht zum Unterricht kommen, da ich Bauchschmerzen habe.“
→ Im Sinne der Selbstkundgabe teilt Jenny ihrem Lehrer von einer Krankheit mit, die sie offenbar als so schlimm empfindet, dass sie heute nicht zum Unterricht kommen kann.

Die Beziehungsebene – Definition und Beispiele

Die Beziehungsebene betrifft das Verhältnis, in dem Senderin bzw. Sender und Empfängerin bzw. Empfänger zueinander stehen. Diese Beziehung kann direkt angesprochen werden (z. B. „Ich liebe dich.“ / „Ich finde dich toll!“ ) oder indirekt, also wieder zwischen den Zeilen, thematisiert werden. Hier spielen Mimik, Gestik und Intonation eine entscheidende Rolle. Aber auch bei einem schriftlichen Text kann die Beziehungsebene vor dem Hintergrund früherer Handlungen oder Aussagen reflektiert werden.

Betrachtet man das vorherige Beispiel auf der Beziehungsebene im Kontext früherer Interaktionen zwischen Jenny und ihrem Lehrer, lässt sich Folgendes feststellen: 

„Ich kann heute leider nicht zum Unterricht kommen, da ich Bauchschmerzen habe.“ 
→ Eventuell hat Jenny diese Entschuldigung schon häufiger bei ihrem Lehrer benutzt und er schenkt diesem Satz keinen Glauben mehr. Damit hat er die Aussage auf der Beziehungsebene gedeutet und distanziert sich gegenüber Jenny.

Die Appellebene – Definition und Beispiele

Mit jeder Aussage möchte eine Sprecherin oder ein Sprecher in der Regel etwas erreichen oder bewirken. In diesem Fall sprechen wir von einer Appellfunktion und meinen damit Wünsche, Ratschläge, Tipps, Anweisungen oder Aufforderungen, die mit einer Gesprächssituation einhergehen. Auch hier gilt wieder das bereits bekannte Prinzip: Man kann etwas sehr direkt (z. B. „Achtung, Gefahr!“) oder indirekt (z. B. „Da vorne kommt ein Auto!“) sagen.

Hier noch einmal das Beispiel von Jenny und ihrem Lehrer:

„Ich kann heute leider nicht zum Unterricht kommen, da ich Bauchschmerzen habe.“ 
→ Jenny appelliert mit ihrer Nachricht an das Verständnis des Lehrers und möchte aufgrund der Krankheit entschuldigt werden.

Die vier Seiten einer Nachricht – Zusammenfassung

In der folgenden Tabelle sind die vier Ebenen der Kommunikation noch einmal zusammengefasst.

Ebene Erklärung
Sachebene/Sachinhalt Daten, Fakten
Selbstkundgabe/Selbstoffenbarung Bedürfnisse, Emotionen, Moralvorstellungen,
Eigenarten und Absichten
Beziehungsebene Verhältnis zwischen Kommunikationsteilnehmenden
Appellfunktion Wünsche, Ratschläge, Tipps, Anweisungen
und Aufforderungen

Häufig gestellte Fragen zum Thema Vier-Ohren-Modell

Das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun besagt, dass eine Nachricht immer vier versteckte oder auch offensichtliche Botschaften in sich trägt.

Das Vier-Ohren-Modell beschreibt die vier verschiedenen Seiten einer Nachricht.

Das Vier-Ohren-Modell sagt aus, dass die Empfängerin oder der Empfänger mit vier Ohren hört, während die Sprecherin oder der Sprecher mit vier Schnäbeln oder Mündern spricht.

Die vier Ebenen einer Nachricht sind die Sachebene, die Ebene der Selbstkundgabe bzw. Selbstoffenbarung, die Beziehungsebene und die Appellebene.

Unter Selbstoffenbarung versteht Schulz von Thun Botschaften über das eigene Selbst, die die Sprecherin bzw. der Sprecher vermittelt.

Das Vier-Seiten-Modell oder auch Kommunikationsquadrat visualisiert die vier Ebenen einer gesprochenen oder geschriebenen Nachricht.

Die Selbstkundgabe sind Aussagen, die die Sprecherin bzw. der Sprecher über die eigene Person macht. Das können Bedürfnisse, Emotionen, Moralvorstellungen, Eigenarten oder Absichten sein.

Eine Sachaussage vermittelt Daten und Fakten, die den Anspruch erheben, wahr zu sein.

Der Sachinhalt ist eine informative Aussage, die entweder wahr oder falsch sein kann.

Auf der Selbstoffenbarungsebene trifft die Sprecherin oder der Sprecher Aussagen über das eigene Selbst und offenbart damit ein Stück der Persönlichkeit.

Die Beziehungsseite einer Aussage betrifft das Verhältnis, in dem Sprecherin bzw. Sprecher und Empfängerin bzw. Empfänger zueinander stehen.

Auf der Beziehungsseite kommen die Wertungen, Einstellungen und Haltungen, die die Gesprächsteilnehmenden über ihr Verhältnis zueinander äußern, zum Ausdruck.

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