Der Quintenzirkel einfach erklärt – Definition, Aufbau und Anwendung

Der Quintenzirkel hilft, Dur- und Molltonarten zu bestimmen und ihre Vorzeichen abzulesen. Entdecke Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Tonarten und lerne, wie man ihn effektiv nutzt. Dies und vieles mehr findest du im folgenden Text!

Inhaltsverzeichnis zum Thema Quintenzirkel

Der Quintenzirkel im Überblick

  • Der Quintenzirkel stellt die Dur– und Molltonarten und deren Verwandtschaftsverhältnis zueinander dar.

  • Zudem lässt sich am Quintenzirkel die Reihenfolge der Vorzeichen gut ablesen.

  • Wenn du die Funktionsweise des Quintenzirkels einmal verstanden hast, brauchst du nicht alles auswendig zu lernen. Die einzelnen Tonarten und Vorzeichen lassen sich gut ablesen und sogar errechnen.

  • Hierfür solltest du die Intervalle sicher beherrschen.

Quintenzirkel: Lernvideo

Quelle sofatutor.com

Der QuintenzirkelDefinition

Der Quintenzirkel ist ein hervorragendes Hilfsmittel in der Musik, um Dur- und Molltonarten zu bestimmen und die Vorzeichen herauszufinden, die zu einer Tonart gehören. Außerdem verdeutlicht der Quintenzirkel Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Tonarten. So spricht man beispielsweise im Zusammenhang mit dem Quintenzirkel von Tonleitern verwandter Dur- und Molltonarten bzw. von Dur- und Mollparallelen.

Der Aufbau des Quintenzirkels

Hier kannst du eine Abbildung des Quintenzirkels sehen:

Quintenzirkel

Die einzelnen Tonarten sind jeweils eine Quinte (fünf Töne) voneinander entfernt – dies erklärt den Namen Quintenzirkel.

Die Durtonarten des Quintenzirkels

Um den Quintenzirkel zu verstehen, konzentrieren wir uns zunächst auf den äußeren Kreis. Die Buchstaben des äußeren Rands beschreiben die Durtonarten des Quintenzirkels. C-Dur, die Tonart ohne Vorzeichen, ist der Ausgangspunkt und steht oben im Quintenzirkel. 

Die rechte Hälfte des Quintenzirkels zeigt die Kreuztonarten: G-Dur – D-Dur – A-Dur – E-Dur – H-Dur – Fis-Dur.

Um zur Tonart mit jeweils einem Kreuz (♯) mehr zu gelangen, rechnet man vom Ausgangston eine Quinte nach oben. C-Dur ist neutral (ohne Vorzeichen). Der Ton g liegt eine Quinte höher als c. Die Tonart G-Dur hat somit ein Kreuz. Rechnet man vom Ton g wiederum eine Quinte höher, landet man bei d. D-Dur hat demnach zwei Kreuze und steht neben G-Dur. 

Du kannst dir auf diese Weise jede beliebige Tonart ausrechnen. Die Tonarten des Quintenzirkels lassen sich an einer Klaviertastatur oder einer Abbildung davon gut nachvollziehen. Sie können jedoch auch direkt am Quintenzirkel abgelesen werden. Möchtest du zum Beispiel wissen, welche Durtonart fünf Kreuze hat, gehst du von C-Dur ausgehend fünf Schritte im Uhrzeigersinn voran und landest entsprechend bei H-Dur.

Die linke Hälfte des Quintenzirkels bildet die B-Tonarten ab: F-Dur – B-Dur – Es-Dur – As-Dur – Des-Dur – Ges-Dur. 

Die Erklärung für den Quintenzirkel auf der linken Seite ist fast identisch mit der rechten Seite: Gegen den Uhrzeigersinn rechnet man eine Quinte tiefer und es wird jeweils ein b als Vorzeichen (♭) hinzugefügt. Der Ton f liegt eine Quinte tiefer als das c. F-Dur hat somit ein b als Vorzeichen. Nach dem gleichen Prinzip lassen sich alle weiteren Durtonarten mit b als Vorzeichen bilden.

Die Durtonarten des Quintenzirkels – Merksprüche

Du kannst den Quintenzirkel auswendig lernen, ihn jedes Mal neu ausrechnen oder dir die Eselsbrücken zum Quintenzirkel einprägen: 

Für die Durtonarten mit Kreuzen (rechte Seite des Quintenzirkels): Geh, du alter Esel, hole Fische.

Für die Durtonarten mit b-Vorzeichen (linke Seite des Quintenzirkels): Frische Birnen essen Asse des Gesangs.

Die Molltonarten des Quintenzirkels

Im inneren Kreis stehen die Molltonarten des Quintenzirkels. Sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie die Durtonarten. Die rechte Hälfte des Kreises beschreibt die Molltonarten mit Kreuzen, die linke Hälfte des Kreises die Molltonarten mit b als Vorzeichen. 

Bei den Molltonarten ist a-Moll der Ausgangspunkt. Im Uhrzeigersinn werden Quinten nach oben gerechnet und es kommt jeweils ein Kreuz dazu. Gegen den Uhrzeigersinn geht es in Quinten abwärts und es wird jeweils ein b hinzugefügt.

Die Molltonarten des Quintenzirkels – Merksätze

Auch bei den Molltonarten kannst du dir verschiedene Sprüche als Eselsbrücke einprägen.

Für die Molltonarten mit Kreuzen (rechte Seite des Quintenzirkels): Erst heute fischte Cissy Giselas Diskusfisch.

Für die Molltonarten mit b-Vorzeichen (rechte Seite des Quintenzirkels): Der gute Clown feiert beim Essen.

Die Anwendung des Quintenzirkels

Der Quintenzirkel erfüllt mehrere Funktionen. Er gibt einen guten Überblick darüber, welche Tonarten es gibt und wie sie gebildet werden.

Am Quintenzirkel lassen sich Verwandtschaftsverhältnisse von Tonarten gut ablesen. Es gibt jeweils eine Dur- und eine Molltonart mit den gleichen Vorzeichen. Man nennt sie Paralleltonart. Diese beiden Tonarten sind eng miteinander verwandt. Sowohl C-Dur als auch a-Moll haben keine Vorzeichen. a-Moll ist die Paralleltonart von C-Dur und umgekehrt.

Die Paralleltonarten stehen an der gleichen Stelle des Quintenzirkels, sodass du sie leicht erkennst. Grundsätzlich gilt, dass die Tonarten umso enger miteinander verwandt sind, je näher sie im Quintenzirkel beieinanderstehen.

Anhand des Quintenzirkels lassen sich ebenfalls die konkreten Vorzeichen und deren Reihenfolge bestimmen. Möchtest du wissen, welche Vorzeichen A-Dur oder fis-Moll haben, kannst du den Quintenzirkel nutzen und erkennst, dass die Kreuze fis, cis und gis heißen.

Umgekehrt lässt sich auch die Tonart eines Stücks leicht bestimmen, indem du die Anzahl der Vorzeichen mit dem Quintenzirkel vergleichst. Hat ein Musikstück zum Beispiel drei b, könnte es sich um Es-Dur oder c-Moll handeln. Der letzte Ton eines Stücks gibt dir einen weiteren Hinweis, da Stücke fast immer auf dem Grundton enden.

Im Bassschlüssel funktioniert der Quintenzirkel übrigens genauso wie im Violinschlüssel. Da der Violinschlüssel jedoch für viele Musikerinnen und Musiker geläufiger ist, wird in Abbildungen vorzugsweise dieses System verwendet.

Die Tonarten mit Kreuzen als Vorzeichen findest du hier noch einmal übersichtlich in einer Tabelle dargestellt:

Tonart Anzahl der Kreuze Namen der Kreuze
G-Dur, e-Moll 1 fis
D-Dur, h-Moll 2 fis, cis
A-Dur, fis-Moll 3 fis, cis, gis
E-Dur, cis-Moll 4 fis, cis, gis, dis
H-Dur, gis-Moll 5 fis, cis, gis, dis, ais
Fis-Dur, dis-Moll 6 fis, cis, gis, dis, ais, eis

Die Tonarten mit b als Vorzeichen folgen in der nachstehenden Tabelle:

Tonart Anzahl der b Namen der b
F-Dur, d-Moll 1 b
B-Dur, g-Moll 2 b, es
Es-Dur, c-Moll 3 b, es, as
As-Dur, f-Moll 4 b, es, as, des
Des-Dur, b-Moll 5 b, es, as, des, ges
Ges-Dur, es-Moll 6 b, es, as, des, ges, ces

Kleiner Exkurs für die Musikexpertinnen und -experten: Am Quintenzirkel lassen sich auch die Hauptstufen einer Kadenz ablesen. Die Dreiklänge über dem ersten, vierten und fünften Ton einer Tonleiter bzw. der Stufen I, IV und V bilden das Grundgerüst der Harmonik. Damit lassen sich fast alle Musikstücke begleiten. 

Möchtest du wissen, welche Hauptdreiklänge zur Tonart C-Dur gehören? Der Dreiklang C-Dur dient als Basis (= I. Stufe). Die anderen zwei Akkorde kannst du am Quintenzirkel ablesen. Der Dreiklang der V. Stufe steht eine Stelle weiter rechts – in diesem Fall ist es ein G-Dur-Dreiklang. Der Dreiklang der IV. Stufe steht links von der Ausgangstonart. Der F-Dur-Dreiklang bildet die IV. Stufe von C-Dur.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Quintenzirkel

Der Quintenzirkel ist ein Hilfsmittel, um Dur- und Molltonarten zu bestimmen und deren Vorzeichen abzulesen. Weiterhin lassen sich Verwandtschaftsverhältnisse zwischen einzelnen Tonarten daran ablesen.

Die einzelnen Tonarten sind jeweils eine Quinte (fünf Töne) voneinander entfernt.

Im äußeren Kreis stehen die Durtonarten, im inneren Kreis die Molltonarten. C-Dur/a-Moll stehen oben im Quintenzirkel. Diese zwei Tonarten haben keine Vorzeichen und bilden den Ausgangspunkt. Bei der Abbildung oben sind zusätzlich die Vorzeichen angegeben.

Im Quintenzirkel lassen sich die Dur- und Molltonarten, deren Vorzeichen und die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen einzelnen Tonarten ablesen.

Beim Quintenzirkel sieht man mit einem Blick, wie viele und welche Vorzeichen eine Tonart hat. Zudem lassen sich Paralleltonarten leicht erkennen, da sie an der gleichen Stelle im Kreis stehen.

Für die Durtonarten und die Molltonarten gibt es jeweils zwei Merksätze.

Der Quintenzirkel ist ein theoretisches Modell, das wahrscheinlich im Jahr 1711 vom deutschen Komponisten und Musiktheoretiker Johann David Heinichen zuerst vorgestellt wurde.

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